Sonderausstellung

»Der Volksgerichtshof 1934–1945.

Terror durch ›Recht‹«

 

Der Volksgerichtshof wurde 1934 von den Nationalsozialisten zur »Bekämpfung von Staatsfeinden« gegründet. Bis Kriegsende mussten sich mehr als 16.700 Menschen vor diesem politischen Gericht verantworten, das ab 1942 jeden zweiten Angeklagten zum Tode verurteilte.
Die Ausstellung, die in der Topographie des Terrors gezeit wird, informiert über die Entstehung und Organisation des Gerichts, beleuchtet am Beispiel von Einzelschicksalen seine Urteilspraxis und informiert über den Umgang mit dem ehemaligen Gerichtspersonal nach 1945.

Der Ausstellungsraum erinnert beim Betreten an einen Gerichtssaal. Durch die hochstehenden Elemente, die wie Stuhllehnen wirken, wird der Gerichtssaal assoziativ aufgegriffen.
Eine starke Blickachse bildet das ikonographische Bild des Präsidenten des Volksgerichtshofs, Roland Freisler, der dessen Symbolfigur darstellt und vor einem Hakenkreuz gezeigt wird. Kontrastiert wird diese Blickachse durch zwei stark akzentuierte Zitate von Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Sowohl die Repräsentanten das VGH als auch die Verurteilten sind in der Ausstellung präsent. Sie werden durch verschiedene Gestaltungsmittel stark kontrastiert. Einerseits durch die beschriebenen Blickachsen, wodurch eine Gegenüberstellung im Raum entsteht. Zudem werden die Repräsentanten des Volksgerichtshof waagrecht, die Opfer senkrecht präsentiert.

 

Die Verurteilten stehen klar im Mittelpunkt der Ausstellung.
Der Raum ist visuell getragen von den Gesichtern der Opfer. Die eine Seite des Raumes zeigt die deutschen Verurteilten, die andere Seite die Verurteilten aus anderen Ländern. Hier wird die gängige aber falsche Ansicht konterkariert, es seien nur Deutsche verurteilt worden, die hohe Zahl von Verurteilten aus anderen Ländern wird sichtbar.
Die Opfer werden zudem durch die weithin sichtbaren Zitate ständig in der Ausstellung thematisiert. Klar wird, welche Kleinigkeiten zu Todesurteilen führten.

 

Ein weiteres Gestaltungsmerkmal sind die allseits präsenten Akten. Das schockierende hier: Die Akten ähneln gänzlich dem heutigen Format, auch die juristische Sprache gleicht der heutigen, so versteckt sich die NS-Ideologie hinter juristischen Formalien und vermittelt einen objektiven Eindruck, der Unrecht, Willkür und Gewalt vertuscht.

Zwei Medienstationen dienen der Vertiefung des Themas. Die erste Station erlaubt es den Besucher*innen, wie in einer Art Kino im Gerichtssaal anwesend zu sein. Ausschnitte von Prozessen verdeutlichen die Erniedrigungen der Angeklagten und die Willkür des Gerichts.

 

Die zweite Medienstation zeigt Verurteilte des Volksgerichtshof, die in dem SD-Gebäude, das ehemals auf dem Geländer der Topographie des Terrors lag, gefangen gehalten wurden. Diese Bilder und Daten wurden eigens für die Ausstellung recherchiert und zusammengetragen.

 

Eine Liste der tätigen Richter und Staatsanwälte nach dem Krieg zeigt, wie wenige verurteilt wurden. Der unterschiedliche Umgang in Ost- und Westdeutschland wird sichtbar durch farbliche Absetzungen.

Die Ausstellung ist nun auf Wanderschaft. Gleich die erste Station ist ein prominenter Ort: das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Berlin, das damit seine eigene Geschichte in den Fokus rückt. 

PROJEKT-DETAILS

PROJEKTLEITUNG: Julia Schnegg
GESTALTUNGSKONZEPT: Matthies & Schnegg mit Pablo Dornhege
ARCHITEKTUR: Thomas Doetsch
GRAFIK: Julia Schnegg
MEDIEN: Katharina Matthies
PROGRAMMIERUNG: Graphscape
LITHOGRAFIE: Claudia Wolf
FOTOS: Marion Lammersen
FLÄCHE: 200 qm
FERTIGSTELLUNG: April 2018
LAUFZEIT: 25. April – 21. Oktober 2018
WANDERSTATION: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
AUFTRAGGEBER: Stiftung Topographie des Terrors