Gestaltungswettbewerb Neue Dauerausstellung JVA Wolfenbüttel

 

Aufgabenstellung
Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel lädt zu einem Wettbewerb für die Gestaltung einer 280 qm umfassenden Dauerausstellung in einem noch zu errichtenden Museumsbau ein. Die Gedenkstätte erinnert seit 1990 an die im Strafgefängnis Hingerichteten und Inhaftierten sowie an die Rolle der Justiz bei der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Mordpolitik.

Das Thema / Vorüberlegungen
Eine Ausstellung über die Rolle der Justiz im Nationalsozialismus auf dem Gelände eines im Betrieb befindlichen Gefängnis wirft viele Fragen auf: Was ist heute eigentlich Gefängnis und was wissen wir über den Lebensalltag der Menschen in Haft? Warum wird eine Institution, die es heute noch gibt, zu Zeiten des Nationalsozialismus als verbrecherisch bezeichnet? Was war anders als heute? Was passierte mit der Demokratie? Was mit Richtern und Justiz? Und was hat das alles mit der JVA Wolffenbüttel zu tun? Das Thema ist verstörend, konfrontiert mit vielen Schicksalen und dringt in den Kern demokratischen Selbstverständnisses. Eine große Herausforderung für die Gestaltung einer Ausstellung, die ein hohes Maß an Sensibilität, Diskussion mit allen Beteiligten und Offenheit in der Herangehensweise verlangt.

Gestaltungskonzept

Das vorgeschlagene Gestaltungskonzept baut auf oben genannten Überlegungen auf und verleiht ihnen auf unterschiedlichen räumlichen und gestalterischen Ebenen eine Entsprechung.

Die Ausstellung versteht sich als Raum für Dialog und Fragen. Unsicherheit und Verstörtheit muss Raum gegeben werden. Die Menschen sollen sich – gerade weil das Thema schwer und verstörend ist – aufgehoben fühlen.
Daher sind die Räumlichkeiten so offen wie möglich gestaltet: hohe Wände nur, wo es die Objektpräsentation verlangt. An vielen Stellen gibt es Sitzgelegenheiten, um die nötige Ruhe zu finden. Die Wände sind weiß gestrichen, der Boden Holz. Ansonsten sind die meisten Möbel Tisch hoch. Dies ermöglicht einen offenen Blicke in den Raum und lässt Sichtachsen entstehen.

Ziel der Ausstellung ist es, bei den Besucher*innen Fragen aufzuwerfen und Diskussion anzuregen. Um dies gestalterisch zu unterstreichen, sind Prolog und Epilog im gleichen Raum untergebracht. Im Epilog sollen die Besucher*Innen
über eine Medienstation nochmal auf die Ausgangsfragen zurückkommen und ihre Eindrücke hinterlassen können.

Im einzelnen Akteur wird Geschichte greifbar. Über Opfer und Täter in gleicher Weise. Das inhaltliche Konzept fokussiert auf diejenigen, die handelnden Menschen. Gestalterisch sind die Biografien der Akteure daher ein weiterer Ausgangspunkt.

Dieser Fokus auf die Akteure eröffnet auch für die Besucher*innen eine Perspektive auf das eigenen Handeln. Um diesen Zugang in der Ausstellung durchgängig sichtbar zu machen und immer wieder darauf zurückzukommen, sind die zentralen Biografien für die einzelnen Kapitel als Biografie-Stelen gestaltet und bekommen damit einen besonderen Stellenwert: als biografische Unterbrechung, als Fallbeispiel, als Bezugs- oder Konterpunkt zu den Besucher*innen.

 

Kognitives und affektives Lernen sollen ermöglicht werden. Das heißt, für die Vermittlung wird der Zugang über Wissen, Emotionen oder eigene Aktivität ermöglicht. Gestalterisch ist für verschiedene Zugänge ein Angebot geschaffen worden. Gerade die vorgesehene Inszenierung im Prolog mit assoziativen Elementen will Emotionen mobilisieren.
Die Haftzelle arbeitet mit Einfühlung in die Situation eines Häftlings und der Frage: Was hat das mit mir zu tun? Gleichzeitig wird dies immer kombiniert mit historischen Fakten, die das Erfahrene aufgreifen und inhaltlich vertiefen.

Das Mobiliar der Ausstellung ist farblich in Abstufungen von Grau gehalten und fügt sich so optimal in die neutrale Architektur des Gebäudes ein. Starke Farbakzente, die die Räume visuell und atmosphärisch auflockern, werden mit der Ausstellungsgrafik gesetzt. Die Texttafeln sind jeweils in einer zum Kapitel passenden Akzentfarben gehalten. Die Biografie-Stelen, die eine herausgehobene Rolle in der Erzählung der Ausstellung darstellen, sind durchgängig gleich und immer in der Akzentfarbe Rot gestaltet.

 

DIe Exponatpräsentationen auf den Tischvitrinen sollen als ein lebendiges und räumliches Arrangement der verschiedenen Objektgattungen, wie Dokumente, Zeichnungen, historische technische Geräte, Fotos, usw. eingerichtet werden.
Das Nebeneinander der Objekte verdichtet sich in der Wahrnehmung für die Besucher*innen zu einer kontextualisierten Raumatmosphäre, die neben der rein kognitiven Auseinandersetzung mit den Objekten auch einen affektiven Zugang ermöglicht.

 

PROJEKT-DETAILS

 

GESTALTUNGSKONZEPT: Matthies & Schnegg

WETTBEWERBSTEAM: Katharina Matthies, Julia Schnegg, Thomas Doetsch, Annika Buchheister, Sabine Kelka

AUFTRAGGEBER: JVA Wolfenbüttel